Psychische Beschwerden

Seit über zwei Jahrtausenden hat die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ein eigenständiges Konzept zur Beschreibung psychischer und emotionaler Prozesse entwickelt. Dieses unterscheidet zwischen bewussten kognitiven Funktionen – oft im Fokus der Aufmerksamkeit – und unbewussten, körpereigenen Selbstregulationsmechanismen, die leicht übersehen werden. In der TCM sind diese Bereiche untrennbar mit dem körperlichen Befinden verbunden.

Aus dieser Perspektive treten psychische Belastungen häufig in Zusammenhang mit körperlichen Symptomen auf. Unsere Therapieansätze folgen diesem ganzheitlichen Verständnis und berücksichtigen stets beide Dimensionen – im Einklang mit den schweizerischen Qualitätsstandards für komplementärmedizinische Verfahren.

Depression

Wenn Sie morgens unter besonders ausgeprägten depressiven Verstimmungen leiden, die sich erst gegen Mittag deutlich bessern, und diese Beschwerden bereits seit mehr als zwei Wochen bestehen, empfehlen wir Ihnen, sich bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt ärztlich abklären zu lassen.

Wir weisen ausdrücklich darauf hin:Bei schweren depressiven Störungen ist eine Behandlung unter fachärztlicher Begleitung durch die konventionelle Medizin unverzichtbar. Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) kann – stets in Absprache mit der behandelnden Fachärztin oder dem behandelnden Facharzt und bei fortgesetzter konventionell-medizinischer Therapie – ergänzend eingesetzt werden, um die Lebensqualität zu verbessern sowie Begleitsymptome und medikamentenbedingte Nebenwirkungen zu lindern.

Kernsymptome
  • Gedrückte Stimmung: Niedergeschlagenheit, innere Leere, Gefühl der Versteinerung.
  • Interessen- oder Freudlosigkeit (Anhedonie): Verlust von Freude an Hobbys, Arbeit oder sozialen Aktivitäten.
  • Antriebsmangel: Erhöhte Ermüdbarkeit, Aktivitätseinschränkungen.
Häufige Zusatzsymptome
  • Schlafstörungen: Ein- oder Durchschlafprobleme, frühes Erwachen.
  • Appetitverlust oder -Steigerung: Gewichtsverlust oder -Zunahme.
  • Schuldgefühle & geringes Selbstwertgefühl: Wertlosigkeitsgefühle, Selbstvorwürfe.
  • Konzentrations- & Entscheidungsschwierigkeiten: Probleme bei der Aufmerksamkeit.
  • Hoffnungslosigkeit & Pessimismus: Negative Zukunftsperspektiven.
  • Psychomotorische Störungen: Verlangsamung oder Unruhe.

Unterformen der Depression

Primäre/Endogene Depression

  • Ursache: Wurde als „von innen“ kommend angesehen, ohne klaren äußeren Anlass.
  • Vermutete Gründe: Genetische Veranlagung, Stoffwechselstörungen im Gehirn (z.B. Neurotransmitter-Ungleichgewicht).
  • Symptome: Oft schwere depressive Stimmung, Antriebslosigkeit, Interessenverlust, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit.

Sekundäre Depression

  • Ursachen: Sie kann durch körperliche Krankheiten (z. B. Parkinson, HIV), andere psychische Störungen (z. B. Angststörungen, Suchterkrankungen) oder als Nebenwirkung von Medikamenten (z. B. Betablocker) sowie durch Drogenkonsum ausgelöst werden.
  • Abgrenzung: Im Gegensatz dazu entsteht eine primäre Depression ohne eine solche erkennbare Vorerkrankung oder organische Ursache.
  • Symptome: Die Anzeichen (gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit) sind oft identisch mit denen einer primären Depression, was die Diagnose erschweren kann.
  • Meteorologie: Seltener wird der Begriff für ein Randtief verwendet, also ein kleineres Tiefdruckgebiet, das einem größeren folgt. 

Reaktive/Exogene Depression

  • Ursache: Direkte Reaktion auf belastende äußere Lebensereignisse oder Stressoren (z.B. Tod, Trennung, Jobverlust).
  • Bezeichnung: Auch als „Situative Depression“ oder neurotische Depression bekannt.
  • Symptome: Ähnlich wie bei endogener Depression, aber stärker an die auslösende Situation gebunden. 

Latente Depression

Tiefe innere Niedergeschlagenheit, Einsamkeit, Isolation, Verzweiflung und Erschöpfung kennzeichnen das Erleben der betroffenen Person. Häufig verschweigt sie ihre depressiven Symptome und sucht trotz anhaltender Beschwerden keine ärztliche Abklärung. Äußerlich gelingt es ihr, intakte soziale Beziehungen zu pflegen, dennoch können plötzliche emotionale Ausbrüche auftreten, die das Umfeld als unverständlich und belastend erlebt.

Äußere Wind-Kälte-Einflüsse Depressive Verstimmungen

  • Ursache:  virale Infektionen, plötzliche Temperaturschwankungen zwischen Kälte und Wärme sowie die saisonalen Übergänge zum Frühling und zum Herbst.
  • Bezeichnung: In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird dieses Beschwerdebild als «Shaoyang-Meridian-Syndrom» beschrieben. Die konventionelle Medizin ordnet vergleichbare Symptome der «saisonalen affektiven Störung» (ICD-11-Code 6A70.3) zu.
  • Symptome: Wechselndes Auftreten von Fieber und Kälteempfindlichkeit, bitterer Geschmack im Mund, trockener Rachen, gedrückte Stimmung, Appetitverlust, innere Unruhe sowie Einschlaf- oder Durchschlafstörungen. Betroffene schreiben diese Beschwerden häufig beruflichem Stress oder psychischer Anspannung zu.

Postpartale Depression

Eine depressive Störung, die bei Frauen nach der Entbindung auftreten kann und mit hormonellen Umstellungen im Wochenbett in Zusammenhang steht. Ein erheblicher Anteil der betroffenen Frauen entwickelt eine schwere depressive Störung (ICD-11-Code QE84.2).

 

Aufmerksamkeitsstörungen und Reizbarkeit in der Pubertät

Während der Pubertät können bei Jugendlichen vorübergehende emotionale Veränderungen auftreten – wie Reizbarkeit, innere Unruhe, Konzentrationsschwierigkeiten, Ungeduld, Schlafstörungen oder Schulverweigerung. Häufig werden diese Symptome fälschlich als Charaktereigenschaften oder kognitive Defizite interpretiert, was schulische Entwicklungen beeinträchtigen kann.

Wichtig: Laut schweizerischen Leitlinien ist vor jeder komplementärmedizinischen Unterstützung stets eine schulmedizinische Abklärung durch eine Fachperson erforderlich. In unserer Praxis begleiten wir betroffene Jugendliche ergänzend – im engen Austausch mit Eltern, Kinderärzte-innen und Schulpsycholog-innen – mit Verfahren wie sanfte Akupunktur sowie pflanzlichen Anwendungen. 

 

Phobien & Angst

Häufig treten spezifische Ängste (z.B. vor engen Räumen oder Menschenmengen) gemeinsam mit allgemeiner Nervosität oder innerer Unruhe auf. In belastenden Phasen können plötzliche Panikattacken mit starkem Herzklopfen und Atemnot auftreten – besonders, wenn Betroffene das Gefühl haben, der Situation nicht entkommen zu können.

Was sagt die Schulmedizin?
Diese Symptome sind gut erforscht und lassen sich durch Therapieformen wie kognitive Verhaltenstherapie oder – bei Bedarf – medikamentöse Behandlung lindern. Eine Abklärung durch eine:n Fachärzt:in für psychische Gesundheit ist der erste Schritt zur Besserung.

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) als begleitende Option
In der TCM werden Ängste oft mit energetischen Ungleichgewichten in Verbindung gebracht, etwa im Bereich von Gallenblase und Nieren. Wichtig: Chinesische Medizin, wie Akupunktur oder pflanzliche Rezepturen, kann die schulmedizinische Behandlung ergänzen.